Seit dem Sommer 2026 ist das Shamonda-Virus (SHAV) erstmals auch in Mitteleuropa nachgewiesen. Es ist eng mit dem bekannten Schmallenberg-Virus verwandt und wird sehr wahrscheinlich von Gnitzen übertragen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat dafür gemeinsam mit den Veterinärbehörden ein Monitoring eingerichtet, zunächst befristet bis zum 31. Oktober 2026.
Für Sie im Stall ist davon vor allem eines wichtig: Wenn ein Tier akut erkrankt, bleiben nur drei bis fünf Tage, in denen sich das Virus überhaupt nachweisen lässt. Wer ein paar Tage abwartet, verpasst dieses Fenster.
Worauf Sie achten sollten
Eine akute Infektion verläuft unspezifisch. Beobachtet wurden bisher:
- Fieber
- plötzlicher Rückgang der Milchleistung
- Durchfall
Jedes für sich ist nichts Ungewöhnliches. Auffällig wird es, wenn mehreres zusammenkommt — vor allem ein Milcheinbruch zusammen mit Fieber.
Warum es auf Tage ankommt
Die Virämie dauert nach derzeitigem Kenntnisstand nur etwa drei bis fünf Tage. Danach lässt sich das Virus im Blut nicht mehr direkt nachweisen. Aussagekräftige Blutproben müssen deshalb während der akuten Erkrankung gezogen werden, nicht danach.
Rufen Sie also an, sobald Ihnen etwas auffällt. Wir beurteilen dann, ob eine Probenentnahme sinnvoll ist, und senden Serum- und EDTA-Blutproben direkt an das LGL.
Klinisch unauffällige Tiere vorsorglich zu beproben, bringt in diesem Monitoring nichts. Das spart Ihnen und uns unnötige Arbeit.
Trächtige Tiere: hier entsteht der eigentliche Schaden
Steckt sich ein bisher nicht immunes Muttertier in einem empfindlichen Stadium der Trächtigkeit an, kann das Virus den Fetus schädigen. Möglich sind:
- Aborte
- Totgeburten
- Missbildungen beim Kalb, vor allem an Gliedmaßen, Wirbelsäule und Zentralnervensystem
Das Krankheitsbild ähnelt darin einer Infektion mit dem Schmallenberg-Virus.
Auch danach: bitte melden
Sagen Sie uns ebenfalls Bescheid bei einem Abort, dem eine Erkrankung des Muttertieres vorausging, oder bei auffälligen beziehungsweise missgebildeten neugeborenen Kälbern. Auch dann kann eine Untersuchung auf das Shamonda-Virus sinnvoll sein.
Schützen lässt sich bisher wenig
Einen Impfstoff gegen das Shamonda-Virus gibt es derzeit nicht. Da die Übertragung vermutlich hauptsächlich über Gnitzen läuft, kann es sinnvoll sein, die Belastung durch stechende Insekten in der Flugzeit möglichst gering zu halten. Ein vollständiger Schutz ist damit allerdings nicht zu erreichen.
Was das Virus nicht ist
Das Shamonda-Virus ist derzeit weder eine bekämpfungspflichtige noch eine meldepflichtige Tierseuche. Und nach aktuellem Kenntnisstand gibt es keinen Nachweis, dass Menschen daran erkranken.
Unsere Bitte
Schauen Sie in den kommenden Wochen genau hin. Bricht die Milchleistung ungewöhnlich ein und kommt Fieber oder Durchfall dazu, melden Sie sich lieber einmal zu früh als zu spät. Das Zeitfenster für den Nachweis ist zu kurz zum Abwarten.
08861 9098822 — rund um die Uhr. Mehr über unsere Arbeit im Stall: Fahrpraxis für Großtiere.
